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29.01.07 Die Initiatoren waren selbst überrascht:
Über 70 Gäste wollten weitere Informationen über die Ansiedlung von „German Pellets“ austauschen.
Orschweier (mm).

Das Nebenzimmer der „Krone“ reichte nicht mehr aus, als am letzten Sonntag zum „Informationsaustausch“ über die Firma German Pellets geladen worden war. Rund 70 Besucher fanden sich ein, um, wie es im von zehn Familien unterzeichneten Einladungsflugblatt hieß, „eine lebenswerte Wohnqualität zu erhalten“. Klaus Deutschkämer als einer der Initiatoren hielt fest, dass von der frisch angesiedelten Holzpellet- Fabrik Lärmbelästigungen ausgingen, die vielen Anwohnern nachts den Schlaf rauben. Man habe grundsätzlich nichts gegen Industrieansiedlungen, fühle sich jedoch als Opfer von Lärm und Staub. Peter Ohnemus beschrieb den neuen „Rauschpegel“, der als Dauergeräusch nachts durchgängig zu hören sei, und viele Anwohner der nächstliegenden Orschweierer Straßen bestätigten das. Ortsvorsteher Dieter Beck berichtete von zahlreichen Beschwerden, die bei ihm eingegangen seien, er habe sich mehrfach persönlich davon überzeugt, dass das lästige Brumm- Geräusch, auch wenn es nachts unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert von 45 Dezibel liegen sollte, nicht damit abgetan werden könne, dass man sich daran gewöhnt, wie Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz erklärt habe. Für einige Bewohner seien die derzeitigen Belastungen „nicht hinnehmbar“. Auch Stadtrat Rolf Baum berichtete von Brummtönen in der Oberfeldstraße, wo sogar die Fenster mitschwingen. Diese Wahrnehmung wurde von einigen Bürgern bestätigt: Bei geschlossenen Fenstern sei das Dauergeräusch sogar noch „besser“ zu hören, würde bei entsprechender Windrichtung trotz kurzzeitigen Lärms vorbeifahrender Güterzüge noch zu bemerken sein. Staubbelästigungen spielten in der Diskussion eine untergeordnete Rolle, wenngleich auch hier Fragen nach Feinstaub und gesundheitsbelastenden Stoffen aufgeworfen wurden.

Ein Anwohner aus der Buckstraße berichtete von tränenden Augen und Atembeschwerden. Ohnemus betonte, dass er und Deutschkämer sich nicht als „Rädelsführer“ fühlten, sondern lediglich dazu beitragen wollten, weitere Informationen zu sammeln. Das daran großes Interesse besteht, brachten zahlreiche Gäste zum Ausdruck, zumal die Firmenleitung von German Pellets am vergangenen Freitag (wir berichteten) ihre Gesprächsbereitschaft auch mit Anwohnern betont und zugesagt hatte, Untersuchungen vornehmen und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen zu wollen, die etwa mehr Lärmschutz versprechen. Es gäbe sicher Lösungen, meinte - 3 Ohnemus, die Lärmbelästigung „irgendwie zu drosseln“, wenn denn die Firma ernsthaft daran interessiert wäre. Ortschaftsrat Jürgen Weber wehrte sich gegen den Vorwurf, „die Politik“ habe nicht rechtzeitig bemerkt, was mit dem Pellets- Werk auf die Bevölkerung zu käme. Der Ortschaftsrat sei gar nicht gefragt worden, der zuständige mit Ettenheim gebildete interkommunale Zweckverband DYN A 5 habe entschieden (ihm gehören von Mahlberger Seite Bürgermeister Dietmar Benz sowie die Stadträte Klaus Weiswurm und Maria Frey an). Fazit des lebhaften Abends: Weiterhin soll sachlich argumentiert und auch das Gespräch mit „German Pellets“ geführt werden, vor allem aber mit den Bürgermeistern. So wurde schließlich einmütig beschlossen, die baldige Einberufung einer Bürgerversammlung zum Thema zu fordern. Auf der letzten Gemeinderatssitzung am Montag reagierte Benz sofort: Das Thema kommt auf die nächste Tagesordnung, sicherte er zu.