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31.07.07 Vom Gegner zum Befürworter der Städtepartnerschaft geworden: Das Malaucèner Original Louis Ourth besucht bereits zum vierten Mal Mahlberg.

Von Michael Masson

Seit einer Woche verbringt er seinen Kurzurlaub in Mahlberg und Orschweier, ist mit Freunden unterwegs. Die Rede ist von Louis Ourth, in der provencalischen Partnerstadt Malaucène nur "Lulu" gerufen. Dort ist er als Original im Ort unter diesem Spitznamen fast besser bekannt, als unter seinem eigenen. Der 84jährige Rentner hatte sich, wie immer, mit dem eigenen Auto auf den weiten Weg ins Stauferstädtchen gemacht. Das ist alles andere als selbstverständlich, vom Alter mal ganz abgesehen. Ourth, geborener Pariser, wurde nämlich 1944 in "Zusammenarbeit" mit der von Hitlers Gnaden damaligen französischen Vichy- Regierung des Marschall Pétain von der deutschen Wehrmacht deportiert. "Collaboration" hieß damals, was Ourth die Freiheit kostete. 1945 wurde er in Brandenburg von den Russen befreit. Kein Wunder also, dass "Lulu" anfänglich von der Idee einer Jumelage mit dem badischen Städtchen Mahlberg, die vor elf Jahren besiegelt wurde, alles andere als begeistert war. Doch das hat sich längst geändert, ebenso übrigens wie bei Malaucènes Bürgermeister Dominique Bodon, der freimütig einräumt, zu Beginn seiner Amtszeit als "maire" noch recht skeptisch gewesen zu sein. Dessen Nachbar ist Lulu nämlich, wie er nicht ohne Stolz vermerkt, seit 1962, als er der Sonne wegen nach Süden zog.

Bodon war auch Lulus Arbeitsplatz Nachfolger in der großen Malaucèner Papierfabrik, wo Hüllen für Zigarettenfilter hergestellt werden. Erst letztes Jahr hatte Louis Ourth auch Waldau bei Titisee besucht Hier hatte er sich nach dem Krieg zwei Jahre lang als Waldarbeiter verdingt. Viel wiedererkennen konnte er dort nach sechzig Jahren nicht mehr, schließlich war auch hier die Zeit nicht stehen geblieben. Dieter Kurz, als Mitglied des Mahlberger Partnerschaftskomitees von Anfang an bei der Jumelage dabei, begleitete Ourth in den letzten Tagen, so wurden etwa der Kaiserstuhl und das Schuttertal besucht, Ehefrau Gisela sorgte mit ihrer Kochkunst für badische Spezialitäten. Nicht zu vergessen mehrere zusammentreffen mit dem Orschweierer Boule- Club: Dessen Präsident Hermann Schmidt freute sich, dass Lulu trefflich unter Beweis stellte, warum das Kugel- Werfen in der Provence als Nationalsport gilt- nicht nur bei Rentnern. Demnächst wird Louis "Lulu" Ourth die weite Heimreise nach Malaucène antreten, nicht ohne Räucherwurst und Speck im Gepäck. Und noch etwas nimmt er gerne mit: Bier nämlich, das ansonsten in der Weingegend um den Mont Ventoux eher verpönt ist. Lulu trinkt es gerne, weil es ihm nun mal schmeckt.