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30.05.07 Zwei Orschweierer Storchenjunge fielen dem Regenwetter zum Opfer. Schwacher Trost: Ein Orschweierer Storchenjunges hat überlebt, weil es zuvor „evakuiert“ worden war.

Von Michael Masson. Letzte Woche war die Welt noch in Ordnung, doch nun trauert das Dorf: Zwei Jungstörche hoch oben im Nest auf dem Schlauchturm des Orschweierer Feuerwehrgerätehauses haben die nasskalte Witterung der letzten Tage nicht überlebt. Sie sind, wenn man so will, Opfer der Klimakatastrofe, zumindest des überraschenden Wetterumschwunges. Zwar hatten die Storchenjungen schon ersten Flaum angesetzt- aber das reichte offenbar nicht zum Überleben. Zusätzlich zur ungewöhnlichen Kälte der letzten Tage machte ihnen wohl auch das viele Regenwasser zu schaffen- ein Storchennest ist nämlich durch reichlich abgelagertem Kot so gut wie wasserdicht – Regenabflüsse gibt es da nun mal nicht. Als der Storchenbetreuer Wolfgang Hoffmann vom NABU einen seiner Kontrollgänge machte, war es für den Nachwuchs schon zu spät. Zusätzlich wurden ihm wohl auch die Pfingstfeiertage zum Verhängnis- sonst betrachteten nämlich viele große und kleine Bürger regelmäßig das Nestgeschehen per Kameraübertragung auf einem Monitor im Rathauseingang. So waren es am vorletzten Dienstag auch Kunden und Mitarbeiter der Volksbank, die bemerkten, dass ein bis dahin noch mit im Nest sitzendes drittes Junge einen schwächlichen Eindruck machte.

Hoffmann hätte es eigentlich lieber dort gelassenzu groß sind die Probleme, es als Nesthocker artgerecht aufzuziehen. Doch die staatliche Naturschutzbehörde hatte eine „Evakuierung“ angeordnet- im Nachhinein betrachtet, mit glücklichem Ausgang. Sofort waren Hoffmann und Frank Spitznagel von der Ettenheimer Feuerwehr mit deren Drehleiter zur Stelle, um den vermeintlich kranken Jungstorch zu retten. Der ist nun nach kurzem Asyl bei Hoffmanns in der Storchen- Aufzuchtstation Reute unter gebracht. Dort geht es ihm mittlerweile prächtig, recht ausgehungert scheint er allerdings anfänglich gewesen zu sein. Ins Nest kann der überlebende Jungstorch natürlich nicht zurück kehren- aber vielleicht lässt er sich ja nächstes Jahr, wenn denn seine Überwinterung geklappt hat, wieder in Orschweier blicken- einen Ring zum Wiedererkennen erhält er noch. Letztes Jahr ging die Aufzucht glücklicher aus: Zwar musste ebenfalls ein drittes Küken just um dieselbe Zeit aus dem nassen Nest geholt werden, aber neben „Archi- Noah“, wie er getauft worden war, überlebten auch seine Geschwister. Im Jahr 2005 hatte es die Orschweierer Störche besonders schlimm getroffen: Gleich fünf Küken waren schon Ende April kurz nach dem Schlüpfen ebenfalls wegen nasskalten Wetters eingegangen. Nun bleibt nur zu hoffen, dass im nächsten Jahr alles klappt, wenn die Natur mitspielt. Auch die Nester in Ettenheim und Rust beherbergen jetzt keine Jungstörche mehr- sie sind ebenfalls allesamt der ungünstigen Witterung zum Opfer gefallen.