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Erinnerung an das alte Herrschergeschlecht

Mahlberg-Orschweier (mml).
Mit einer „Böcklin-Stube“ erinnert Mahlbergs Stadtteil Orschweier an das frühere Herrschergeschlecht der Böcklins von Böcklinsau. Am Samstag wurde sie feierlich eingeweiht. Zuvor war das Ortsvorsteher-Büro im Orschweierer Rathaus aus dem Sitzungssaal ausgelagert worden, damit dort einige Geschenke des letzten Freiherrn Friedrich Böcklin von Böcklinsau ihren würdigen Platz finden. Dazu gehören einige Ölgemälde, Familienfotos, Urkunden, altes Mobiliar. Die waren der Gemeinde mit der Bitte überlassen worden, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hunderte interessierte Bürger drängten sich in der alten Feuerwehr- gerätehaushalle, dazu begrüßte Mahlbergs Bürgermeister Dietmar Benz auch die in Saarbrücken lebende Gattin Ingrid des letzten Orschweierer „Barons“, wie er genannt wurde, als Ehrengast und einige Ortsvorsteher aus der Region, wo das Böcklin-Geschlecht ebenfalls Besitzungen hatte. Aufarbeiten der Ortsgeschichte Orschweiers Ortsvorsteher Bernd Dosch schilderte die „schwere Geburt“ der historischen Erinnerungsstätte: Schon nach der Eingemeindung des Dorfes im Jahr 1973 hatte man vor, die Ortsgeschichte aufzuarbeiten, das Projekt eines Museums in der ehemaligen Hopfendörre der Böcklins zerschlug sich jedoch. Auch das Schlösschen ist mittlerweile in Privatbesitz, aus dem dazugehörigen Park wurde einWohngebiet.

Schließlich hatte der frühere Ortsvorsteher Ingolf Santo die Idee, den Sitzungssaal im Rathaus umzugestalten, letztes Jahr wurde endlich damit begonnen. Referat über die Familiengeschichte Stadthistoriker Josef Naudascher, zuständig auch für eine Info-Tafel, die an der Schlossmauer angebracht werden soll, eine Dokumentation und Ahnentafel, referierte über die Familiengeschichte derer von Böcklins. Die begannen ihren gesellschaftlichen Aufstieg 1262 in der neuen freien Reichsstadt Straßburg,waren dort später den Fürstbischöfen zu Diensten. Dafür erhielten sie 1513 denAdelstitel, erwarben zahlreiche Besitztümer im Elsass und in der Ortenau. In Rust, wo ein Familienzweig sein Stammschloss erbaute, waren die Böcklins ob ihrer Grundbesitzer-Allüren wenig beliebt: Noch im 19. Jahrhundert herrschte dort große Armut. Schon Friedrich gab sich volksnah Anders in Orschweier: Hier gab sich schon Friedrich Böcklin von Böcklinsau volksnah: 1876 gründete und leitete er den noch heute fortbestehenden Männergesangverein, der die Feierstunde musikalisch mit umrahmte. Auch Sohn Emil und Enkel Dietrich erfreuten sich als „gesellige und beliebte Mitbürger“ großer Sympathien im Dorfe, bis letzterer 1958 Orschweier verließ, um eine Stelle als Justiziar beim Saarländischen Rundfunk anzutreten. Vor acht Jahren verstarb er. Nun ist sein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Nach Absingen des „Badnerliedes“ mit dem Musikzug der Narrenzunft wurde ein rotes Band durchschnitten. Danach konnte sich die Be- völkerung in der neuen „Böcklin-Stube“ umsehen, eine Foto- und Textausstellung Naudaschers im Feuerwehr-Gerätehaus studieren.