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Vollblut Narr der ersten Stunde: Edmund Schaub erinnert sich an die Anfänge der organisierten Orschweierer Fasent.

Von Michael Masson
Heute gehört die Orschweierer Narrenzunft „Hornig“ (NZO) mit derzeit akkurat 436 Mitgliedern zu den größten Vereinen Mahlbergs, zieht zu ihrem großen Fasent Umzug längst seit Jahrzehnten tausende auch auswärtiger Besucher ins ansonsten beschauliche Dorf. Die Anfänge waren eher bescheiden. Edmund Schaub, einer der Mitgründer der NZO, hat für uns in seinem Privatarchiv gekramt, erinnert sich auch an alte Zeiten der ehedem noch unorganisierten Narretei. Gefeiert wurde die Fasent in Orschweier schon, soviel ist klar, spätestens seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. In einem alten Artikel des Ettenheimer Stadt Anzeigers von 1975 heißt es dann: „Nach der Katastrophe des zweiten Weltkrieges, als alles am Boden zerstört war, regten sich (in Orschweier) schon wieder die ersten Anfänge. Als dann Vereine wieder zugelassen waren, war es zuerst der Sportclub, der es unternommen hat, einen bunten Abend zu organisieren...Es wurde damals an freiwilligen Spenden die sagenhafte Summe von 3 200 Mark eingespielt. Das war 1947. An diese Zeit kann sich der 1935 geborene Edmund Schaub als Jüngling deutlich erinnern: „Da feierte das ganze Dorf eine Halle hatten wir ja noch nicht in den Gaststätten, einzelne Grüppchen zogen durch die Straßen, bis zur nächsten Kneipe.“ Da hatte Edmund schon längst das Narrenfieber gepackt. „Mitte der fünfziger Jahre machte man (in Orschweier) den Versuch, diese wilden, freien Bewegungen unter einen Hut zu bringen. Damals gelang es jedoch noch nicht“, heißt es im alten Stadtanzeiger.

Doch 1960 war es soweit: Ein erster Elferrat mit Werner Dosch an der Spitze wurde auf die Beine gestellt, auch Schaub („ich war schon immer etwas verrückt“) gehörte zu den wenigen Gründungsmitgliedern, die übrigens durchaus auf wohlwollende Unterstützung der Damenwelt zählen durften: Die pochte nämlich auf ihr närrisches „Frauenrecht“ mit Maskierung, das, wie es im ersten „Kuhschweierer Narrenblatt“ verzeichnet ist, schon mal dazu führen konnte, dass ein eifersüchtiger Ehemann seiner zumindest tanzfreudigen Gattin das Bett abbaute nach tiefer Reue jedoch wieder hin stellte. Schaub, erlebte auch die erste Zeit der Hässuche mit: Bär und Affenversuchskostüme wurden damals verworfen, es blieb bei der Kuh (angelehnt an das Ortswappen) und dem „Jockele“. 1964 wurde dann eine Zunft gegründet: „Ruckzuck hatten wir über 100 Leute im Boot, das Dorf machte begeistert mit“, erinnert sich Schaub gern, der damals auch einer der ersten Fasent Prinzen war, künftig als „Organisator für alles“ mit mischte, schon 1986 zum Ehrenzunftmeister ernannt wurde. In seinem Keller sta peln sich mittlerweile Urkun den, Narrenorden und -medaillen aus fast fünf Jahrzehnten, viele davon übrigens vom unlängst verstorbenen Hubert „Jupp“ Mutz als weiterem Vollblut Narren der ersten Stunde gestaltet. Längst ist die NZO fest im dörflichen Vereinsleben eta bliert, muss sich um närrischen Nachwuchs keine Sorgen machen: Allein 150 Kinder werden der zeit in Tanz und Hästräger gruppen betreut. Schon jetzt, berichtet der NZO Vorsitzende Thomas Brettschneider, steckt der Verein mitten in den Vorbereitungen für sein 50jähriges Jubiläum: 2010 wird es gefeiert werden, mit allem Drum und Dran. Da steckt natürlich viel Arbeit auch außerhalb der närrischen Saison da hinter, ebenso wie für längst die Halle füllende Bunte Abende: Am 12. Januar findet der nächste statt, die Eintrittskarten finden bei Reinhard Bösch bereits reißenden Absatz.