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Kurzweiliger Abend beim Heimat- und Kulturverein: Alte Geschichten über Schule und Kirche machten die Runde.

Orschweier (mm). Einen kurzweiligen Abend verbrachten die Gäste des Heimat- und Kulturvereins Orschweier (HUK) auf dessen erster öffentlichen Veranstaltung. Hier erzählte Martin Schaub, alteingesessener Bürger des kleinen Dörfleins, von alten „Schulgeschichten“.Dabei beschränkte sich Schaub nicht nur auf die alte Dorfschule, die noch bis in diesechziger Jahre mit zwei Klassenzimmern und einer kleinen Lehrerwohnung im Orschweierer Rathaus untergebracht war, sondern schilderte anschaulich den damaligen Alltag, etwa nach 1945 zu Zeiten der französischen Besetzung, als noch im Kaiserwald gesammelte Eicheln als Kaffee Ersatz dienten, Hühnereier in Kalkbrühe haltbar gemacht wurden, die meisten Einwohner eine kleine Landwirtschaft nebenher betrieben und bisweilen auch schon mal Schnaps schwarz brannten. Es ging ihnen besser als vielen Städtern: „Hätt´sch au a Frau vum Land, dann hättsch au a Sau“, hieß es damals. In der früheren Kinderschule führten noch zwei Nonnen als Kinder- und Kranken
schwestern das Regiment, bis zum Umzug in den neuen Kindergarten. Von Pädagogik war damals noch keine Rede: Mittags wurden die Kleinen zum Schlafen auf segeltuchbespannten Gestellen verdonnert, und basta! 1944 kam Schaub in die Volksschule. Er erinnert sich, dass der damalige Lehrer Sulzer mit dem Rohrstock regierte:„Wir gehörten zu einer geschlagenen Generation“, schmunzelt Schaub heute, „nach der Schule bekamen wir zuhause auch noch mal was drauf!“

Das Holz für die Schulöfen hatten die Kinder selbst hinaufzutragen, im Klo gab´s bestes Zeitungspapier. Auch sonntägliche Kirchgänge stießen bei vielen Kindern auf wenig Gegenliebe: Wartete dort doch der „Kirchenschweizer“ in rotem Umhangmit meterhohem Stab, rief und bot mäßige Kinder auch schon mal durch kräftiges Haare Rupfen zur Gottesdienst Ordnung. So liefen manche der Halbwüchsigen extra langsam Richtung Mahlberg und legten schon mal eine dauerhafte Station im „Engel“ ein, „um den Pfarrer nicht bei der Arbeitzu stören.“ Man musste sich für den Fall einer Kontrolle nur rechtzeitig Informationendarüber besorgen, was der wackere Gottesmann gepredigt hatte. Noch viele Geschichten machten die Runde, etwa von der1933 am Rathaus gesetzten „HitlerLinde“, die 1945 auf der vergeblichen Suche nach NaziDokumentenund Schätzen wieder ausgegraben wurde. Einige der älteren Gäste erinnerten sich ebenfalls an ihre Kinderzeiten, als noch der Leichenwagen fuhr, der „Hälmewage“(Halmenwagen) an der alten Dreschmaschine als Spielplatz diente oder das fasnächtliche Scheibenschlagen vom Musikverein bis in die 70er Jahre gepflegt wurde.Aufklärung fand durch einen Blick zwischen Bretter-ritzen in den Farrenstall statt, sofern ein Bulle dort etwas vormachte. Der HuK Vorsitzende Michael Masson dankte dem Referenten für den amüsanten, kurzweiligen Abend und kündigte die nächste Veranstaltung an: Am 6. Juni wird der pensionierte Schulrektor Martin Winterhalter eigene alemannische Texte vortragen, um 20 Uhr im Gasthaus „Krone“.